Zitierstile im Vergleich – APA, MLA, Chicago, IEEE und die deutschen Varianten
· 5 Min. Lesezeit · Das Grongy-AI-Team

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Der Zitierstil ist die formalste Entscheidung Ihrer Arbeit und die, bei der Sie am wenigsten Wahl haben: Meistens gibt Ihr Fachbereich ihn vor. Was Sie trotzdem wissen sollten, ist, wie die Systeme sich unterscheiden — denn davon hängt ab, was beim Schreiben leichter und was schwerer wird.
Drei Systeme, nicht dreißig Stile
Alle gängigen Stile gehören zu einem von drei Systemen.
Autor-Jahr. Im Text steht der Name mit dem Jahr: (Schmidt, 2020). Am Ende ein alphabetisches Verzeichnis. Dazu gehören APA, Harvard und die deutsche Variante, die viele Institute schlicht „Autor-Jahr“ nennen.
Fußnoten. Im Text eine hochgestellte Ziffer, die Angabe steht unten auf der Seite. Dazu gehören der klassische deutsche Fußnotenstil, Chicago in seiner Notes-Variante und die juristische Zitierweise.
Numerisch. Im Text eine Zahl in eckigen Klammern [1], das Verzeichnis ist nach Reihenfolge des Auftretens sortiert. Dazu gehören IEEE, Vancouver und die meisten ingenieurwissenschaftlichen Stile.
Wer das System kennt, kennt die Logik. Die Einzelheiten unterscheiden sich, die Arbeitsweise nicht.

Was zu welchem Fach gehört
| Fach | Übliches System |
|---|---|
| Psychologie, Erziehungs- und Sozialwissenschaften | APA (Autor-Jahr) |
| Wirtschaftswissenschaften | Autor-Jahr, oft Harvard oder hauseigen |
| Geschichte, Germanistik, Philosophie | Fußnoten |
| Rechtswissenschaft | Fußnoten, eigene Konventionen |
| Medizin | Vancouver (numerisch) |
| Ingenieurwissenschaften, Informatik | IEEE (numerisch) |
| Naturwissenschaften | numerisch, oft zeitschriftenspezifisch |
Die verbindliche Auskunft steht in Ihrer Prüfungsordnung oder im Leitfaden Ihres Instituts. Wo beides schweigt, sehen Sie in zwei abgeschlossenen Arbeiten Ihres Lehrstuhls nach.
Die Systeme im Vergleich
Autor-Jahr hat den Vorteil, dass Lesende sofort sehen, wer wann. In einem Forschungsstand, in dem es auf die Entwicklung ankommt, ist das viel wert. Nachteil: Bei vielen Belegen wird der Satz unleserlich — (Müller, 2018; Schmidt, 2019; Weber, 2021; Klein & Roth, 2022) unterbricht den Lesefluss.
Fußnoten halten den Fließtext frei und erlauben Anmerkungen, die keine reine Quellenangabe sind — in geisteswissenschaftlichen Arbeiten ist das ein eigenes Ausdrucksmittel. Nachteil: Man muss den Blick senken, und die Versuchung ist groß, in Fußnoten zu argumentieren statt im Text.
Numerisch ist das kompakteste System und in technischen Texten mit vielen Belegen unschlagbar. Nachteil und Falle zugleich: Die Nummer sagt nichts. Und wenn Sie die vierte von dreißig Quellen von Hand löschen, verweist jede spätere Nummer stillschweigend auf die davorliegende Arbeit. Ein Werkzeug, das automatisch neu nummeriert, ist hier keine Bequemlichkeit, sondern der Unterschied zwischen einem richtigen und einem falschen Verzeichnis.
APA 7 – was im Deutschen anders läuft
APA ist der in Deutschland am weitesten verbreitete internationale Stil, und beim Übertragen ins Deutsche gibt es drei wiederkehrende Fragen.
Das Kaufmanns-Und. APA schreibt im englischen Original „&“ in der Klammer und „and“ im Fließtext. Im Deutschen halten es viele Institute so: „&“ in der Klammer, „und“ im laufenden Satz. Manche verlangen durchgehend „und“. Prüfen Sie den Leitfaden — und bleiben Sie dann dabei.
Die Abkürzung für „und andere“. Englisch „et al.“, deutsch teils „u. a.“. „et al.“ ist inzwischen auch in deutschen Arbeiten die Regel, aber Mischformen innerhalb einer Arbeit sind ein sicherer Anmerkungspunkt.
Ohne Jahr. Englisch „n.d.“, deutsch „o. J.“ (ohne Jahr). Verwenden Sie die deutsche Form in einer deutschen Arbeit, aber niemals ein geratenes Jahr.
Weitere Grundregeln von APA 7: bis zu zwanzig Namen werden vollständig aufgeführt; das Verzeichnis ist alphabetisch nach Nachnamen; wörtliche Zitate brauchen eine Seitenangabe.
Der deutsche Fußnotenstil
Es gibt ihn nicht in einer Fassung — jedes Institut hat Eigenheiten. Verbreitet ist:
- Vollbeleg in der ersten Fußnote: Vorname Nachname, Titel, Ort Jahr, S. 34.
- Kurzbeleg danach: Nachname, Kurztitel, S. 41.
- „Ebd.“ für dieselbe Quelle unmittelbar davor, mit oder ohne neue Seitenzahl.
- „Vgl.“ vor einem Beleg, der eine Paraphrase stützt; ohne „Vgl.“ bei wörtlichen Zitaten.
Die letzte Unterscheidung ist eine deutsche Besonderheit, die international kein Gegenstück hat, und sie wird in Gutachten tatsächlich geprüft. Ein wörtliches Zitat mit „Vgl.“ ist ein Fehler, und eine Paraphrase ohne ist einer.
Was Sie in jedem Stil richtig machen müssen
Unabhängig vom System gelten vier Dinge:
Wörtliche Zitate brauchen eine Seitenangabe. Ohne sie ist der Wortlaut nicht überprüfbar.
Text und Verzeichnis müssen sich decken. Jeder Beleg im Text steht im Verzeichnis; jeder Eintrag im Verzeichnis kommt im Text vor. Nichtzitierte „Weiterführende Literatur“ ist nur zulässig, wenn Ihre Ordnung sie ausdrücklich vorsieht.
Ein Stil, durchgehend. Zwei gemischte Stile sind der am schnellsten erkennbare Formfehler überhaupt.
Sekundärzitate kennzeichnen. „Müller (1998), zitiert nach Schmidt (2019)“ — oder Sie besorgen sich Müller. Ein Beleg auf eine Arbeit, die Sie nur aus zweiter Hand kennen, behauptet etwas Falsches.
Der Wechsel des Stils
Wenn Sie mitten in der Arbeit wechseln müssen — weil der Leitfaden etwas anderes sagt, als Sie dachten —, ist die Reihenfolge wichtig.
- Erst die Metadaten prüfen. Ein Wechsel erzeugt aus denselben Daten eine andere Form. Sind die Daten falsch, ist die neue Form falsch.
- Dann das Verzeichnis neu erzeugen, nicht von Hand umformatieren.
- Zuletzt die Belege im Text durchgehen. Beim Wechsel von numerisch auf Autor-Jahr ist das Handarbeit, und dort entstehen die Fehler.
Das ist der Grund, warum es sich lohnt, den Stil am ersten Tag einzustellen statt in der letzten Woche.

Sonderfälle, die regelmäßig Ärger machen
Mehrere Arbeiten derselben Person aus demselben Jahr. Autor-Jahr-Systeme hängen Buchstaben an: (Schmidt, 2020a), (Schmidt, 2020b). Die Zuordnung der Buchstaben folgt der alphabetischen Reihenfolge der Titel im Verzeichnis, nicht der Reihenfolge im Text.
Körperschaften als Verfasser. Behörden, Verbände, Unternehmen. Beim ersten Mal ausschreiben, danach abkürzen: (Statistisches Bundesamt [Destatis], 2024) und danach (Destatis, 2024).
Internetquellen. Immer mit Abrufdatum, wenn sich der Inhalt ändern kann. Ein DOI ist einer URL immer vorzuziehen.
Gesetze und Normen. Werden in den meisten Fächern nicht im Literaturverzeichnis geführt, sondern im laufenden Text zitiert. In der Rechtswissenschaft gelten ohnehin eigene Regeln.
KI-Werkzeuge. Kein Zitierfall im üblichen Sinn: Ein Sprachmodell ist keine Quelle, sondern ein Hilfsmittel. Es gehört in die Angabe zur Nutzung, nicht ins Literaturverzeichnis — es sei denn, Ihre Ordnung regelt es anders.
Der pragmatische Rat
Der Stil ist die Sorte Aufgabe, die man nicht von Hand lösen sollte — ein Zitiergenerator erzeugt den Eintrag aus den Metadaten. Legen Sie am ersten Tag fest, welcher gilt, führen Sie Ihre Quellen mit vollständigen Metadaten, und lassen Sie Text und Verzeichnis daraus erzeugen.
Was Sie dann noch selbst prüfen müssen, ist das Einzige, was ein Werkzeug nicht kann: ob die Metadaten stimmen. Ein automatisch erzeugtes Verzeichnis ist genau so gut wie die Daten dahinter — und ein falsches Jahr wird durch perfekte Formatierung nicht richtiger.
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