KI-Quellen prüfen – ist diese Angabe echt?
· 5 Min. Lesezeit · Das Grongy-AI-Team

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Sie haben eine Quellenangabe, die aus einem Chat kam. Sie sieht gut aus: plausible Namen, eine Zeitschrift, die es gibt, ein Jahr, das passt, ein DOI in korrekter Form. Bevor sie in Ihre Arbeit geht, sind vier Prüfungen nötig — und nur die ersten drei dauern Minuten.
Schritt 1: Existiert die Publikation?
Nehmen Sie den Titel, nicht die Namen, und suchen Sie ihn wörtlich, in Anführungszeichen, in Google Scholar oder Crossref.
Der Titel ist der beste Sucheinstieg, weil Modelle ihn selten exakt erfinden: Entweder es gibt ihn genau so, oder es gibt ihn gar nicht. Namen dagegen sind häufig, und ein Treffer auf „Weber 2021“ sagt nichts.
Kein Treffer? Prüfen Sie zwei Dinge, bevor Sie schließen, dass es die Arbeit nicht gibt:
- Ist es ein Buch, ein Bericht, eine Dissertation oder ein Beitrag in einer deutschsprachigen Fachzeitschrift? Vieles davon steht in keinem der großen Nachweissysteme. Suchen Sie im Bibliothekskatalog, im Verzeichnis lieferbarer Bücher oder auf der Seite des Verlags.
- Steht der Titel vielleicht leicht anders da — Untertitel abgetrennt, Doppelpunkt verschoben? Suchen Sie mit den fünf markantesten Wörtern.
Bleibt es bei null Treffern über mehrere Suchwege, ist die Angabe mit hoher Wahrscheinlichkeit erfunden.

Schritt 2: Stimmen die Angaben?
Ein Treffer ist noch keine Bestätigung. Vergleichen Sie vier Felder mit dem, was die Datenbank ausgibt:
- Erstautorschaft. Der häufigste Einzelfehler: Das Modell setzt eine Ko-Autorin an die erste Stelle. Die Publikation ist echt, die Angabe verweist trotzdem auf etwas anderes — im Text und im Verzeichnis.
- Jahr. Ein Jahr daneben ist oft der Unterschied zwischen Preprint und Veröffentlichung. Nehmen Sie das der Fassung, die Sie tatsächlich gelesen haben.
- Zeitschrift. Passiert regelmäßig: richtiger Aufsatz, falsche Zeitschrift. Ein Modell setzt gern die bekannteste Zeitschrift des Feldes ein.
- Band, Heft, Seiten. Kleinigkeiten, aber genau die, die eine prüfende Person stichprobenartig nachschlägt.
Schritt 3: Führt der DOI dorthin?
Setzen Sie https://doi.org/ vor den DOI und öffnen Sie ihn.
Drei mögliche Ergebnisse:
- Der DOI öffnet genau diese Arbeit. Gut.
- Der DOI führt ins Leere. Erfunden oder falsch abgeschrieben. Suchen Sie den richtigen über den Titel.
- Der DOI öffnet eine andere Publikation. Der gefährlichste Fall, weil die Angabe formal vollständig aussieht. Wer ihm folgt, landet woanders — und das fällt genau der Person auf, die Ihre Arbeit ernst nimmt.
Schritt 4: Trägt die Quelle die Aussage?
Die einzige Prüfung, die nicht in zwei Minuten geht, und die einzige, die den schwierigsten Fehler findet: Die Publikation existiert, die Angaben stimmen — und die Behauptung steht dort nicht.
Das passiert auf drei Arten:
Zu weit gefasst. Die Arbeit zeigt einen Effekt in einer bestimmten Gruppe, unter bestimmten Bedingungen; Ihr Satz behauptet ihn allgemein. Aus „in den untersuchten Sprachpaaren“ wird „in allen ressourcenarmen Sprachen“.
Verb zu stark. Die Arbeit findet einen Zusammenhang, Ihr Satz behauptet eine Ursache. Querschnittsdaten tragen „hing zusammen mit“, nicht „führte zu“.
Aus der Nachbarschaft. Die Quelle handelt vom Thema, aber nicht von Ihrer konkreten Aussage. Sie ist einschlägig und trotzdem kein Beleg für diesen Satz.
Für tragende Aussagen lesen Sie die Stelle im Volltext, nicht nur die Zusammenfassung. Für Nebensätze reicht die Zusammenfassung. Der Unterschied ist Aufwandsteuerung, nicht Nachlässigkeit: Prüfen Sie dort am gründlichsten, wo Ihre Argumentation hängt.
Die Warnzeichen, an denen man erfundene Angaben oft erkennt
Keines ist ein Beweis, alle zusammen sind ein Muster:
- Zu passend. Der Titel beantwortet genau Ihre Frage, wortgleich. Echte Aufsätze sind selten so entgegenkommend.
- Runde Seitenzahlen. „S. 100–120“ kommt vor, ist aber auffällig häufig bei erzeugten Angaben.
- Die bekannteste Zeitschrift des Feldes, bei einem sehr speziellen Thema.
- Prominente Namen in ungewohnter Kombination.
- Ein zu neues Datum. Etwas aus den letzten Monaten, das noch nirgends nachgewiesen ist.
- Alle Angaben vollständig. Bei echten Recherchen fehlt gelegentlich etwas — eine Heftnummer, ein DOI. Perfekte Vollständigkeit über zwanzig Angaben hinweg ist eher ein Zeichen für Erzeugung als für Sorgfalt.
Wenn Sie feststellen, dass eine Angabe erfunden ist
Vor der Abgabe: Streichen Sie die Angabe. Dann prüfen Sie den Satz, an dem sie hing — er stammt vermutlich ebenfalls nicht aus einer Quelle. Suchen Sie einen echten Beleg oder schwächen Sie die Aussage ab, bis sie ohne auskommt.
Prüfen Sie außerdem die Nachbarschaft. Erfundene Angaben treten selten einzeln auf; wenn eine aus einem bestimmten Arbeitsabschnitt stammt, stammen andere aus demselben.
Nach der Abgabe, vor der Bewertung: Melden Sie es selbst. Das ist unangenehm und in fast allen Ordnungen deutlich besser als das Auffinden durch die prüfende Person.

Der einfachere Weg: gar nicht erst in die Lage kommen
Das Prüfen im Nachhinein ist notwendig, aber es ist die zweitbeste Lösung. Die bessere ist eine Arbeitsweise, in der die Angabe nie ungeprüft entsteht:
- Erst suchen, dann schreiben. Sie durchsuchen eine echte Datenbank, sehen sich die Treffer an und speichern, was Sie verwenden wollen. Was Sie speichern, haben Sie gesehen.
- Nur aus dem Gespeicherten zitieren. Ein Werkzeug, das ausschließlich aus Ihrer eigenen Bibliothek zitieren darf, kann nichts erfinden — und lässt einen Satz lieber unbelegt, wenn nichts ihn trägt. So arbeitet die Belegprüfung von Grongy AI.
- Die Lücke stehen lassen. Ein Satz ohne Beleg ist ehrlich und reparabel. Eine erfundene Angabe ist beides nicht.
Der Unterschied zwischen den beiden Wegen ist nicht die Qualität des Modells. Er liegt darin, ob das System aus einer Bibliothek arbeitet oder aus dem Gedächtnis.
Eine Prüfliste zum Abhaken
Für jede Angabe, die nicht aus einer von Ihnen geöffneten Quelle stammt:
- Titel wörtlich gesucht, Treffer vorhanden
- Erstautorschaft, Jahr, Zeitschrift, Band abgeglichen
- DOI geöffnet und führt zu dieser Arbeit
- Zusammenfassung gelesen und passt zum Satz
- Bei tragenden Aussagen: Stelle im Volltext gelesen
Fünf Häkchen je Quelle, bei den wichtigsten. Für die übrigen die ersten drei. Das ist der Unterschied zwischen einer Arbeit, die Sie verteidigen können, und einer, die Sie erklären müssen.
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